Der US-Bundesstaat Minnesota hat eine neue Flagge. Der Kontrast zwischen der alten Flagge und dem neuen Flaggendesign könnte kaum größer sein. Gerade einmal dreieinhalb Monate hat der damit verbundene Designprozess in dem von Demokraten regierten US-Bundesstaat gedauert.
Im vergangenen Herbst hatte die Landesregierung Minnesotas den Prozess zur Ablösung der bisherigen Bundesflagge durch ein neues Design in Gang gesetzt (dt berichtete). Viele Menschen sahen die Gestaltung mit einem mit Lendenschurz bekleideten Indianer als nicht mehr zeitgemäß an (siehe Vorher-nachher-Abbildung unten).
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Im Rahmen eines Gestaltungswettbewerbs wurden 2.600 Entwürfe (serc.mnhs.org/flags) eingereicht. Sechs Entwürfe wurden von der 19-köpfigen Kommission („State Emblems Redesign Commission, SERC“) als Finalisten ausgewählt. Durch eine „Agentur vor Ort mit zehnjähriger Expertise“ (O-Ton SERC) wurde alle Finalisten evaluiert und feinjustiert. Auch das finale Flaggendesign ist das Ergebnis eines „Fein-Tunings“.
Beschrieben wird neue Flagge seitens der SERC wie folgt:
The design includes the conceptual shape of Minnesota in dark blue and the rest of the flag in light blue. The flag has a single eight-pointed star pointed north on the shape of Minnesota.
Der dunkelblaue Hintergrund beschreibt demnach den Umriss von Minnesota in rudimentärer / stark vereinfachter Form. Ein aus acht gleichwinkligen Zacken bestehender Stern ist das einzige hervorstechende grafische Element. Minnesota trägt seit langem den Beinamen „North Star State“ bzw. „Star of the North“.
Das Design der Flagge basiert auf dem Entwurf von Andrew Prekkerr, einem 24-jährigen Künstler, der in Luverne lebt, im südlichen Zipfel Minnesotas gelegen.
In US-amerikanischen Medien äußern sich verschiedene Bürger und Politiker kritisch und ablehnend zum neuen minimalistischen Design. Ted Kaye, der Vorsitzende der Nordamerikanischen Vexillologischen Vereinigung (NAVA) urteilt hingegen überaus positiv und bewertet die neue Flagge Minnesotas anhand der von der NAVA formulierten Kriterien mit A+.
Im Zuge des Designprozesses hat Minnesota auch ein neues Bundessiegel erhalten: ein von Ähren, Bergen, Wellen und einem vierzackigen Stern umgebenen Seetaucher (Loon). Einer der letzten Feinjustierungen, die am Siegel vorgenommen wurden, war es, den im ursprünglichen Entwurf in französischer Sprache enthaltenen Beinamen „L’etoile du Nord“ durch die in der Sprache der Dakota verfasste Bezeichnung „Mni Sóta Makoc̣e“ („Land where the waters reflect the sky“) auszutauschen.
Kommentar
Die Gestaltung ist überzeugend, und der gesamte Designprozess bemerkenswert. Dass es möglich ist, in nur dreieinhalb Monaten eine Bundes-/Landesflagge durch ein neues, zeitgemäßes Design abzulösen, beweist Minnesota auf beeindruckende Weise. Manch Neuseeländer dürfte vor dem Hintergrund der 2016 gescheiterten Ablösung der Nationalflagge mit britischem „Union Jack“ voller Bewunderung in den „North Star State“ blicken.
Die Ergebnis und die einzelnen Schritte des Designprozesses wurden von der Kommission offen und transparent dokumentiert. Mittels Zoom-Videokonferenz konnte ein jeder Interessierte an den Sitzungen und Beratungen teilnehmen. Ein Blick etwa in das Sitzungspapier mit dem Titel „Community-designed concepts for the flag and seal of Minnesota“ (PDF) oder in den abschließenden SERC-Final-Report (PDF) genügt, um zu erkennen, welch großer Aufwand mit dem Projekt verbunden ist, und wie intensiv um das beste Ergebnis gerungen wurde.
Es soll Menschen geben, so lesen sich einige Beiträge in US-Medien, die vor ihrem Haus lieber weiterhin die alte Flagge wehen lassen möchten, sei es der Tradition wegen, aus politisch motiviertem Trotz heraus oder schlicht, weil ihnen die alte Flagge optisch mehr zusagt. Was aufgrund der fragwürdigen rassistischen Gestaltung schwer nachvollziehbar ist. Die Ablösung der alten Flagge ist ein starkes politisches Statement und ein über die Bundesgrenze hinaus gehendes weit sichtbares Zeichen: Minnesota zeigt Flagge gegen Rassismus.
Das neue Flaggendesign ist inklusiv, stellt keine gesellschaftlichen Gruppen bloß. Die Flagge ist modern, prägnant, schlicht und zweckmäßig und dennoch differenzierend. Ein zukunftsfähiges, identitätsstiftendes Design, das alle Kriterien einer guten Flaggengestaltung erfüllt (Verweis NAVA).
Mediengalerie
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